"Hier steht ein Mann..."

Walter Mehring 100 Jahre

mit Holger Münzer
und Marlin von Wick
am Klavier: Klaus A. Schäfer

Buch und Zusammenstellung:
Holger Münzer
Premiere am 14.5.1996, weitere Vorstellungen 1996 und 1997 im Coupé-Theater (Berlin)

Wenn Sie einige Songs hören wollen dann wählen Sie bitte (alphabetisch):
  1. "Auftakt" ("Hier steht ein Mann...")
  2. "Brief aus der Mitternacht"
  3. "Die Ballade von der Lehrerin Elly Maldaque"
  4. "Die kleinen Hotels"
  5. "Die Poesie"
  6. "Dressur"
  7. "Heimat Berlin"
  8. "Hoflied des Lumpensammlers"
  9. "Monolog an der Bordschwelle"
  10. "Ode an Berlin"
Die Presse zu diesem Programm:

Vorarlberger Nachrichten
(25./26.5.1996)

"Zuständig bin ich überall, staatenlos im Nirgendwo"

Berlin (VN) Am 29. April wäre Walter Mehring 100 Jahre alt geworden. Aus diesem Anlaß stellte Holger Münzer ein Programm zusammen, das den facettenreichen Dichter und seinen überaus tragischen Werdegang in einen ebenso berührenden wie informativen Bogen spannte.

"Weniger ist mehr" muß dabei sein gescheites Motto gewesen sein, denn Bühnenbild, Requisiten, Gesten, kaum merkliche Kostümwechsel und moderierende Zwischentexte hätten knapper nicht sein können, doch hätte die Eindringlichkeit der ausgewählten Mehringschen Gedichte durch irgendwelchen Schnickschnack nur verlieren können. So aber wurden in gut einer Stunde alle Lebenssituationen durchschritten - die amüsanteste zweifellos die Reminiszenz an die respektlosen dadaistischen Kabarettzeiten im Berlin der 20er Jahre, die beschämendste, die vereinsamte und verarmte Existenz, die Mehring nach seiner Rückkehr aus dem Exil in den 50er Jahren bis zu seinem Tod 1981 fristen mußte. Zum perfekten Gelingen trugen neben Holger Münzer die beiden mitwirkenden Künstler bei: der Pianist Klaus A. Schäfer, der offensichtlich nicht nur für die schwarzen und weißen Tasten, sondern auch für kleine inszenatorische Kniffe einen goldenen Daumen hat, und Marlin von Wick, der Walter Mehring allein durch seine Stimme "verkörperte". Von der frechen "großen Berliner Schnauze" der Erfolgszeit über den kämpferischen Exilanten bis zum zerbrochenen Ton des Vergessenen war einfach alles da. Aber auch der Raum, den das Kunstamt Wilmersdorf zur Verfügung stellt, spielte eine wichtige Rolle.
(...)

Susanne Allge

Berliner Morgenpost:

Hommage an Walter Mehring
zum 100. Geburtstag

Lauthals verkündete Walter Mehring, er pfeife auf die Poesie, es würden nur noch garstige Lieder gemacht. Hunderte polemischer Verse entsprangen seiner spitzen Feder, kaum eine Facette großstädtischen Lebens und deutscher Politik entging seinem Blick.

Sein Werk bietet heute ein eindrucksvolles Stimmungsbild der Jahre ab 1919. Mit dem Programm "Hier steht ein Mann... - Walter Mehring 100 Jahre" wurde nun im Wilmersdorfer "Coupé" zu einer Reise durch das Leben des Schriftstellers und Kabarettisten in Berlin, Paris und im amerikanischen Exil eingeladen.

Chansons, Texte, gespielte Szenen und verbindende Worte gehen behende ineinander über. In ihrer bunten Mischung bauen die Schauspieler Holger Münzer und Marlin von Wick eine Brücke von den wirtschaftlich und sozial bewegten zwanziger Jahren bis hin zu Mehrings "Emigrantenchoral" oder der "Ode an Berlin" aus späterer Zeit.

Mal frech, mal klagend, mal unbarmherzig wütend gibt Holger Münzer eine gelungene Interpretation der Chansons, souverän unterstützt am Klavier von Klaus A. Schäfer. Der zum Teil nachdenklichere Vortrag Marlin von Wick's läßt weitere Töne Mehrings anklingen.

In der Mischung entsteht ein Tongebilde, das auch den disharmonischen Klängen im Leben Mehrings durchaus gerecht wurde.

(sbu)

Presse:

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