singt und spricht



  
  

Zur Programmfolge (alle Texte und Titel als MP3-Hörbeispiele)



Kritiken: zu diesem Programm


"Berliner Morgenpost":
...Es schien, als hätte Kästner diese Gedichte dafür geschrieben, daß sie vertont werden. Wunderbar kamen ihre Knappheit und ihre Pointen heraus...

Der "Tagesspiegel" Berlin:
...Münzer versteht sein Handwerk. Und er versteht seinen Kästner. Die Melodien, die er den Gedichten unterlegt hat, sind präzis zugeschnitten und fast so einprägsam wie die Texte. Sie transportieren den aufklärerischen Inhalt verläßlich...

"t a z" (Berlin):

ZWEIMAL VERBRANNT UND DOCH NICHT TOT

Erich-Kästner-Revue von Holger Münzer im Cafétheater Paulstraße

Es gibt Aufführungen, in denen man lernen kann. Daß Erich Kästner neben dem »Doppelten Lottchen« auch für große Emils schöne Sachen geschrieben hat (etwa »Fabian« - wer's noch nicht kennt, sollte blitzartig ins Buchgeschäft rasen, und ich garantiere, daß dieses Weihnachten nicht langweilig wird) und daß dafür seine Bücher wegen »undeutscher Moral« von Goebbels 1933 auf den Scheiterhaufen befördert wurden, weiß man ja; spätestens seit der schönen Kästner-LP mit Ernst Busch, auf der diese Szene so gruselig semidokumentarisch abgemischt wurde.

Jeder Neu-Interpret von Kästner-Liedern muß sich seitdem wohl an Ernst Busch messen lassen, der mit Stentorbaß und Orgelklang politische Bekenntnisse aus diesen knifflig lyrischen Meisterwerken scheinbarer Harmlosigkeit herausquetschte wie rote Zahnpasta aus der Tube. Ein bißchen mehr Weihnacht würde Kästner nur guttun, dachte ich schon damals, und so bin ich ganz froh, daß Holger Münzer in seiner Kästner-Revue so unterschiedliche Interpretationsmuster vorführt.

Zunächst mal bin ich überrascht vom Bühnenbild, ich kenne die Cafétheaterbühne von anderen Aufführungen und empfand sie immer als relativ eng. Mit schönem Licht, Blumentöpfen und einer schräg ragenden Bank hat man hier nun eine ziemliche Tiefe erzeugt und jedenfalls genug Raum, um an verschiedenen Schauplätzen »Die unverstandene Frau« oder die »Sachliche Romanze« vorzustellen, den »Jahrmarkt« mitreißend und die »Entwicklung der Menschheit« kühl-sarkastisch zu zeigen.

Holger Münzer verfügt über eine Gesangsstimme, die allen lyrischen und dramatischen Zielen dieses Dichters genügt, und auch die nötigen Zwischentöne exakt bringen kann. Selbst auf dessen eigenem Gebiet, dem politisch anklagenden Erinnern in dem autobiografischen Lied »Sergeant Waurich« finde ich Münzer besser als Busch, wozu auch beiträgt, daß er alles neu komponiert hat und sich so immer in seiner idealen Tonlage bewegen kann. Münzer musikalisch: Das ist eine manchmal irrwitzige Mischung aus Playback-Gitarren, Synthi-Verzerrungen, Konservenstimmen und Gesang und Klavier live; damit läßt sich schon einiges auf die Bühne stellen, und beim Weltuntergang in »Das letzte Kapitel« wirkt es einfach grandios. Zwischen die Lieder schiebt Münzer schlichte Aphorismen, Berichte, meist unbekannte Texte ein, so daß auch dem Kenner und Fan ein ganz neuer Kästner gezeigt wird. Die charmanten Paulstraßen-Betreiber haben also für das Jahresende-Loch so ein gutes Programm organisieren können.

Was ich gelernt habe? Die eine - trocken-überlegen beschriebene - Bücherverbrennung reichte für Kästner offenbar nicht aus. Holger Münzer hat einen Text ausgegraben, der wie ein schlappes Remake wirken würde, wenn nicht unsere BRD-Geschichte darin so Kästner-typisch unter distanzierter Beiläufigkeit ebenso platt-real wie grausig hervorschimmern würde: Nach einigen Bibelstunden haben katholische Jugendliche am deutschen Rheinufer in nichtsahnender Frömmigkeit wiederum Kästner-Bücher verbrannt, wiederum wegen angeblicher Unmoral; nur war das 1965. Was ließe sich Böseres über dieses unser Land sagen, und Wahreres? -

"Spandauer Volksblatt" (Berlin):

Viel Beifall für Holger Münzers Kästner-Revue

Begeisterten Beifall konnte Holger Münzer am Samstag abend für seine Erich-Kästner-Revue entgegennehmen, mit der er zur Zeit im Spandauer Altstadt-Theater gastiert. "Was nicht in Euren Lesebüchern steht", so der bezeichnende Titel der sehenswerten Aufführung, die schon an verschiedenen Berliner Spielstätten gezeigt wurde und durchgehend große Anerkennung fand.

Die wirkungsvoll pointierte Zeitsatire Kästners - diesem geistvollen Ironiker, der nie müde wurde, gegen Gedankenträgheit und Herzensroheit zu Felde zu ziehen - wird von Holger Münzer hervorragend und mit viel Einfühlungsvermögen interpretiert. Eine große Anzahl der Texte hat er vertont, und seine Kompositionen gehen präzise mit der Lyrik Kästners einher. Zwischen den Liedern und Chansons hört man Berichte, Aphorismen und gesprochene Lyrik, darunter auch weitgehend unbekannte Texte. Münzer begleitet seinen eindringlichen Gesang mit Klavier, Geige, Gitarre, arbeitet aber auch mit einem vorproduzierten Playback.


Weit spannt sich der Bogen des dargebotenen Repertoires: Da wird die Entstehung der Menschheit und ihr möglicher Untergang karikiert, man hört bissige Parodien auf den blinden Fortschrittsglauben und die "sogenannten Klassefrauen", hauptsächlich aber wird die Zeitgeschichte gezeigt.

Die Darstellungskraft und das nuancenreiche Spiel, mit dem Holger Münzer all dies auf die Bühne bringt, stimmen nachdenklich, obwohl auch die heiteren Momente im Programm nicht zu kurz kommen. Bleibt zu wünschen, daß sich recht viele Zuschauer in dem kleinen Theater an der Breiten Straß:e einfinden, ein Besuch lohnt sich ganz gewiß. Die Erich-Kästner-Revue wird nochmals am kommenden Samstag um 20 Uhr sowie am 4. und 11. April um 21 Uhr gezeigt.


Susanne Jahncke, VOLKSBLATT Berlin

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